Aktuelles Programm
Mittwoch, 10.06.2026, 19.30 Uhr
André Chénier - Carl Phlipp Emanuel Bach: eine literarisch-musikalische Begegnung


André Chénier (1762 bis 1794) gilt der Literaturgeschichte als bedeutendster französischer Lyriker des 18. Jahrhunderts, insbesondere als Vorläufer der Romantik. Überzeitliche Geltung erlangte sein Schaffen allerdings erst durch sein leidenschaftliches Engagement als wirkmächtiger anti-jakobinischer Publizist. Der existentiellen Erfahrung von Verfolgung, Gefangenschaft und Todesnähe im Kampf gegen Tyrannei und Willkür hat er in seinen ‚Iambes‘ ebenso kämpferisch wie anrührend Ausdruck verliehen. Die hier in neuer deutscher Übersetzung vorgestellten Gedichte des Autors schlagen einen Bogen von seinen klassizistischen Anfängen bis zu diesem Spätwerk, in dem sich parallel zur politischen Umwälzung auch eine poetologische Revolution vollzog.
Die präsentierten Klavierwerke C.Ph.E. Bachs (1714-1788) korrespondieren den Gedichten Chéniers auf eine innere Weise. Wie die frühen Gedichte Chéniers einem klassizistischen Ideal folgen, schreibt Bach auf die konventionelle Form der Folie d’Espagne 12 Variationen, die in ihrem Ausdruckspotential bereits auf die Zeit der Empfindsamkeit verweisen und als Vorboten frühromantischer Ausdrucksästhetik gelten können. Die abschließende freie Fantasie fis-moll, im Jahr vor Bachs Tod geschrieben, bewegt Gedanken um das Todesthema und verarbeitet ein zentrales Motiv aus der Johannespassion des Vaters („Es ist vollbracht“).